Tierskulpturen und neue Bilder von Tola Wewe
25. Juli - 3. Oktober 2004
In der neuen Ausstellung der Bettendorffschen Galerie werden Shona-Tierskulpturen aus Simbabwe sowie neue Bilder des Malers Tola Wewe ausgestellt. Mit dem Begriff ‚Shona' wird die größte Bevölkerungsgruppe Simbabwes bezeichnet. Als junge Künstlerbewegung ist die Shona-Bildhauerei Ende der 50er Jahre entstanden und hat sich in der Gegenwart als eine der jüngsten Entwicklungen der internationalen Kunstszene etabliert. Überlieferungen alter Mythen und Legenden bilden die Grundlage künstlerischer Inspiration. Ein Geister- und Ahnenglaube liefert dabei den Stoff für Gestaltfindungen, die das Unsichtbare einer Gefühls- und Vorstellungswelt sichtbar werden lässt in Figuren mit expressiver Wirkung. Jeder ‚Shona' sieht sich unter dem Einfluss eines bestimmten Geistes, der ihm durchaus in erster Linie nützliche Eigenschaften bringt. Im Durchleben mehrerer Metamorphosen werden dem Menschen auch gleichzeitig mehrere Identitäten zugeordnet, was sich in einer Skulptur sowohl in Mensch-Tierkombinationen als auch in kubistisch anmutender Mehrperspektivität zeigen kann. Ein Gesicht kann also ‚tierisch-menschlich' wirken und dabei noch in verschiedene Richtungen blicken. Die bei der neusten Ausstellung der Bettendorffschen Galerie ausgesuchten Tierskulpturen entstanden sicherlich vor dem Hintergund des sozialen Umbruchs durch Bürgerkriege, der Unabhängigkeit des ehemaligen Rhodesiens und missionarischer Einflüsse. Umso erstaunlicher ist die unkomplizierte, direkte Wirkung der Skulpturen, die ihre Expressivität auch in humorvoller Spannung und Ironie entwickeln. Auch ohne das Wissen um Mythen und Legenden ziehen sie den Betrachter in ihren Bann und lassen eigene ‚Geschichten' entstehen.
Neue Bilder
Der Maler Tola Wewe aus Nigeria bildet mit seinen neuen Bildern einen zweiten Ausstellungsschwerpunkt. Gemäß der Einsicht Picassos, "ein Leben lang zu brauchen, um wie ein Kind malen zu können", bevorzugt Wewe einen narrativen Malstil, der viele kleine Bildinformationen additiv in ein Bild packt und zu farbenfrohen ornamentalen Strukturen zusammenfügt. 1988 gründete er die Gruppe ONA-YORUBA (Kunst, Dekoration, Ästhetik…) mit dem Ziel, u.a. Kunst ‚fühlbar' zu machen, Gegenständliches gegen Abstraktes zu setzen, kindliche Formen und deren Unvoreingenommenheit in der Werteskala zu übernehmen. Motive aus nigerianischen Kindermärchen mit fabelähnlichem Charakter lassen auch Tiermotive anklingen. Damit entsteht eine direkte Verbindung zum Ausstellungsschwerpunkt Shona-Tiere.