Realismus und Abstraktion in der Kunst zweier Naturvölker

Bildhauerei der

SHONA und INUIT

im Vergleich

 

12. Mai bis 30. Juni 2002

„ Tiere sind es nicht, Fabelwesen auch nicht, Geister nicht, aber irgendwie sind sie doch mehr Menschen ähnlich als eher nicht “

 

Dieses Zitat des Künstlers Georg Baselitz, der als Kenner und Liebhaber afrikanischer Skulptur ein feines Gespür für die Charakteristik afrikanischer Bildhauerei hat, beschreibt Eindrücke, die der Betrachter bei der Wahrnehmung der Shona-Skulpturen erfährt. Die mehrschichtige und mehrdeutige Lesart vieler Formen, die häufig anthropomorph und zoomorph zugleich sind bei einigen liegt es nahe, von „Metamorphosen“

zu sprechen gilt als eine der zentralen Leistungen afrikanischer Formerfindungen.

Aber nicht nur die Kunst Afrikas hat ein solches Formenrepertoire hervorgebracht. In den künstlerischen Ausdrucksformen kanadischer Eskimos, den Inuit, findet man durchaus vergleichbare Strukturen, die in Inhalt und Erscheinungsbild eine sehr ähnliche Sprache sprechen. Die Veränderung der ursprünglichen Lebensbedingungen und die Berührung mit fremden Kultureinflüssen führten im 20. Jahr-hundert in beiden Kulturen zu bemerkenswerten Leistungen kreativen Kunstschaffens, die mittlerweile weltweit anerkannt sind und international geschätzt werden. Zumeist metaphysische Gehalte, Glaubensvorstellungen und Szenen des alltäglichen Lebens finden sowohl bei den Shona als auch bei den Inuit Eingang in ein Formengemisch aus menschlichen Körpern und Tierleibern. Die Tiere haben eine Seele, die menschlich in ihrem Wesen ist, während die Seele der Menschen ein Tier ist. Denn wie für die Künstler aus Simbabwe sind auch für die kanadischen Inuit-Künstler die Geister allgegenwärtig und nehmen Einfluss auf den Alltag der Menschen. Die beiden bildkünstlerischen Traditionen in Bezug zu einander zu setzen, ist Ziel der Ausstellung der Bettendorffschen Galerie im Schlossgarten. In einer Gegenüberstellung einzelner Werke wird deutlich, wo die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede liegen.