Äthiopische Künstler

24.10.2004 - 19.12.2004

In der vierten Ausstellung des Jahres zeigt die Bettendorffsche Galerie Arbeiten unterschiedlicher Künstler aus Äthiopien. Alle Werke stammen aus der "Sammlung Sachau", die einen umfangreichen Querschnitt afrikanischer Kunst in Wittich (Pfalz) beheimatet.

Der Maler Behailu Bezabih ("The eye is the organ which rests the least") stellt in seinem großformatigen Bild "Hyäne" ein überdimensionales, dem Dunkel des Käfig entfliehendes sonnenrotes Raubtier einer männlichen Gestalt gegenüber, die sich abwendet und dem Protagonisten lediglich einen blanken Knochen offeriert. Gedanken an Hitze, Hunger und brennende Armut drängen sich dem Betrachter auf, ohne direkt im Bild angedeutet zu sein. "Children", ein Bild in klassischer Collagetechnik in Verbindung mit kräftigen Farben beschreibt das kindliche Spiel auf der Straße mittels realer Zitate aus Zigarettenschachteln und aufgeklebten Zeitungsausschnitten. Das Pflaster der Straße wird ersetzt durch Kronkorken westlicher Genese, die als unmissverständliche Zeichen den Alltag einer äthiopischen Stadt mitprägen. In einem Zyklus 4 kleinformatiger Bilder setzt sich Behailu mit dem Thema der Globalisierung im Zusammenhang medieller Einflüsse auseinander. Durch Lautsprecher aufgepeitschte Massen lehnen sich auf gegen die Verheißungen materieller Versprechen. Eine verschleierte Frauengestalt steht undefinierbaren Figuren aus einer anderen Welt gegenüber und bleibt dennoch rotglühend bestehen vor einem Inferno hinter ihr.

Dem Künstler Tibebe Ferffa gelingt es mit der Reihe "Harar Impressions", bunte, lebendige und dabei flüchtige Eindrücke eienr Stadt symbolisch-figürlich in einem urbanen Raster festzuhalten. Im Bild "Addis Ababa" schaftt eine tektonisch-flächige Farbskala Raum für infantile Gesichter und Figuren.

Daniels Aquarelle, die mit sicherem Strich bunte, farbenfrohe menschliche Figuren skizzieren, erzählen vom Leben, wie es sich auf Märkten oder Dorfplätzen ereignen mag.

Henok Mlekamzers Bilder dagegen besitzen eine schamanitischen Charakter und werden in "angewandter Kunst" als Auftragswerk vom Künstler gemalt und zwar mit bestimmten Wirkungsabsichten. Somit werden beispielsweise der Schutz der Familie oder einzelner Personen zu symbolisch erwünschten Bildinhalten. Im Werk "Weisheit des Salomon" wird der "Schutz vor Geldproblemen" erhofft, und das Thema durch die ornamentale Dichte eines kettenartig verschlungenen Leitungsnetzes mit starren Augen und Gesichtern umgesetzt.

Engdaget Legesse präsentiert vier Stelen aus längsgeschnittenen Holzgründen mit dem Titel "magic pillar", die einen kraftvollen räumlichen Akzent setzen. Vom rhythmisch-farbigen Ornament bis zur "Muschelspur" sowie goldenen Nagelreihen werden Attribute früherer Zahlungsmittel zu ornamentalen Symbolen der Überlieferung von Vergangenem montiert. In dieser Tradition stehen auch zwei Paneelen vom Stamm der "Gurage". In strengen Grundformen, klar und schwarz, sprechen sie die Sprache der Mystik, Strahlen Würde und Kraft aus.