nach Afrika zurückzukommen.
Wir hatten es noch nicht verlassen,
aber wenn ich nachts aufwachte,
lag ich lauschend da, bereits
voller Heimweh danach.
So schreibt Ernest Hemingway in seinem berühmten Buch "Diegrünen Hügel Afrikas". Afrika, der Kontinent derGeheimnisse und Mythen, ist seit jeher für die westlicheGesellschaft ein Ort höchster Faszination. Die Kultur und dieKunst der afrikanischen Bevölkerung werden zum Projektionsfeldeiner Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, Direktheit undNaturverbundenheit - Werte, die in der westlichen Zivilisation mehrund mehr an Bedeutung verlieren. Schon zu Beginn des 20. Jahrhundertsverhalfen die expressive Kraft und die unmittelbare Formenspracheafrikanischer Masken und Skulpturen der europäischen Kunst zuneuen Wegen. Die Künstler der klassischen Moderne, allen voranPicasso, Brancusi und Klee, entdeckten die ausdrucksstarken Plastikenaus dem kultischen und alltäglichen Bereich afrikanischerStämme als Inspirationsquelle für ihre Kunstwerke. Bisheute hat das Interesse an der Kunst und Kultur Afrikas nichtabgenommen. Im Gegenteil - das Bedürfnis nach einem Gegengewichtzur der häufig konzeptuell, virtuellen Kunst, die den westlichenMarkt derzeit bestimmt, wird immer größer.
Auch wenn in Afrika die alten Riten und Bräuche durch diemoderne Zivilisation nach und nach in den Hintergrund treten, sobilden sie dennoch die kulturelle Basis für die afrikanischeKunst. der Gegenwart Vor allem ist es die innige Verbundenheit mitder Natur , die sich wie ein roter Faden durch die afrikanischeKunst- und Kulturgeschichte zieht. Auch die Shona-Skulpturen ausSimbabwe sind eindrucksvolle Zeugnisse eines beinahe mythischenVerhältnisses zwischen dem Künstler und dem Stein, der jaein Bestandteil der Natur ist. Die Shona-Bildhauerei ist eine relativjunge Künstlerbewegung, die in den 50er-60er Jahren des 20.Jahurhunderts im damaligen Rhodesien, dem heutigen Simbabwe,entstanden ist. Aus Feldarbeitern wurden Künstler, deren Ruhmheute weit über die Grenzen Afrikas hinausreicht. Ausstellungenin Australien, im Centre Pompidou, im Musée Rodin in Parisoder im Museum of Modern Art in New York, im Museum fürVölkerkunde in Frankfurt oder in Neuseeland sprechen fürden hohen künstlerischen Wert und die internationale Bedeutungder Shona-Skulpturen.
Mit der Gründung der Bettendorffsche Galerie ImSchloßgarten in Gauangelloch bei Leimen im Jahre 1993 formiertesich in Südwestdeutschen Raum ein Zentrum fürShona-Skulpturen. Die private Galerie im Besitz der Familie vonBettendorff arbeitet seitdem direkt mit dem Chapungu Sculpture Parcin Harare zusammen.
So können alljährlich mehrere Ausstellungen derbedeutendsten Shona-Bildhauer im Kraichgau gezeigt werden. DerChapungu Park ist ein wichtiges Forum, wo die Künstler ausSimbabwe auf einem weitläufigen Gelände mit Ateliers, einemintegriertem Museum, einer Galerie und einer offenen Bühne lebenund arbeiten. Roy Guthrie, der Direktor, hat sich zum Ziel gemacht,die Kunst in Simbabwe zu fördern, zu bewahren und zudokumentieren. Er organisiert weltweit Ausstellungen, die dieShona-Bildhauerei anderen Kulturkreisen näherbringen. Durch seinhohes Engagement für die Bildhauerkunst Simbabwes setzt RoyGuthrie das Lebenswerk des ersten Förderers der sogenanntenShona-Bildhauer Franc Mc Even fort. Mc Even wurde in Mexiko geboren,wuchs in London auf und studierte Kunstgeschichte an der Sorbonne inParis, wo er seit 1926 lebte. An der Kunstszene der erstenHälfte des 20. Jahrhunderts hatte er regen Anteil. Diebedeutendsten Künstler der Zeit wie Henri Matisse, PabloPicasso, George Braque und Brancusi zählten zu seinen Freunden.Im Jahre 1945 organisierte Mc Even die erste Ausstellung Henry Mooresin Paris, wo er bis in die 50er Jahre als Kunstbeauftragter desBritisch Council in Paris arbeitete. Sein Verhältnis zur Kunstwar stark geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit derLehre Gustave Mureaus, die besagt, daß wirklicheKreativität angeboren sei.. Sie sei, im Gegensatz zu eineranerzogenen, erlernten Kreativität Ausdruck des Geistes und derinneren Freude am Gestalten. Vor diesem kunstheoretischen Hintergrundwundert es nicht, daß Franc McEven Mitte der 50er Jahre denAusstieg aus dem europäischen Kunstbetrieb beschloß unddas Angebot annimmt, die Leitung der neuerrichteten NationalgalerieRhodesiens zu übernehmen. Dort gründete er eineWerkstattschule, die die Geburtsstätte der Shona-Bildhauereiwerden sollte. Er stellte den meist in der Landwirtschafttätigen Material und Räume zur Verfügung, um ihrekünstlerische Produktion anzuregen und zu fördern.Zunächst wählte er die Malerei als geeignetes Medium. Dochdann traf er auf Joram Mariga, der ihm einen aus grünemSpeckstein gehauenen Kopf vorlegte. McEven war zu tiefst beeindrucktund forderte Mariga auf, einen Workshop für Bildhauerei zuleiten. Und dies ist die Geburtsstunde der Shona-Skulpturen, die bisheute nach mehr als 30 Jahren nichts von ihrer Ursprünglichkeitund Kraft verloren haben. S
Es ist durchaus legitim von einer Geburtsstunde derShona-Bildhauerei zu sprechen, da die Tradition der plastischen KunstSimbabwes seit Jahrhunderten abgebrochen war. Zwar sind diefrühen Shona herausragende Architekten und Bildhauer gewesen,wie die Ruinen der Herrscherresidenzen aus dem 12. bis 16.Jahrhundert in Simbabwe bezeugen, doch haben die Shona erst Ende der50er Jahre unseres Jahrhunderts wieder den Stein für sichentdeckt. Schnell wurde die Bildhauerschule in Salisbury zumNährboden der bildhauerischen Produktion.
Auf der Suche nach einem neuen Ort für seine Werkstattschulegründetet Franc McEven, unterstützt von dem BildhauerSylvester Mubayi, im Jahre 19969 die Künstlergemeinschaft Vukutuim östlichen Hochland von Simbabwe. Im Einklang mit der Natur,wie Mc Even schrieb, haben die Künstler dort, abseits vomTouristenstrom, ihre schönsten Arbeiten.
Eine weitere Künstlergemeinschaft hat der Shona-Bildhauereientscheidend mitgeprägt: die KünstlergemeinschaftTengenenge, die 1966 im Nordosten Simbabwes von dem Tabakfarmer TomBlomefield gegründet wurde. Als ihn die politischenUmstände des Unabhängigkeitskrieges dazu zwangen, dieTabakfarm aufzugeben, hatte er die zündende Idee, seine Arbeiterzu ermutigen, Skulpturen anzufertigen. Tengenenge ist bekannt durchdie Serpentin-Steinbrüche, so daß die Bildhauer vor Ortden für Shona-Skulpturen sehr beliebten Stein gewinnen konnten.Aus Tengenenge gingen heute sehr berühmte Bildhauer wie HenryMunyaradzi, Bernard Matemera oder Josiah Manzi hervor.
Während der Unruhen des rund 15 Jahre andauerndenBürgerkriegs, der 1980 zur Unabhängigkeit Simbabwesführte, war kaum Platz für künstlerisches Schaffen. Eswurde beinahe unmöglich Ausstellungen zu veranstalten. 1973legte Franc McEven sein Amt als Leiter den Nationalgalerie nieder.Viele Bildhauer waren gezwungen, ihre ehemalige Tätigkeit alsLandarbeiter oder ähnliches wieder aufzunehmen. In diesen Zeitennun kam Roy Guthrie, heute Direktor des Chapungu Parks, ins Spiel. Inprivater Initiative kaufte er Shona-Skulpturen auf, einerseits um dieKünstler zu fördern und die Künstlerbewegung am Lebenzu erhalten, andererseits auch in der Hoffnung mit dem Ende desKrieges die Popularität der Shona-Bildhauerei durchinternationale Ausstellungen neu zu wecken und zu fördern. Ausseiner Galerie für Shona-Skulpturen entstand nicht lange nachder Unabhängigkeitserklärung der Chapungu Park, der heuteüber den weltweit größten Bestand an Shona-Plastikenverfügt.
Die Shona-Bildhauer nehmen heute seinen sehr hohen undständig steigenden Rang auf dem internationalen Kunstmarkt ein,was nicht zuletzt auf die Initiative ihrer großenFörderer, Franc McEven, Tom Blomefield und Roy Guthriezurückzuführen ist.

